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Westalpen 2023

 

in Gedenken an unseren Freund Wolfgang Thren (Wuschel), der 2024 leider viel zu früh von uns gegangen ist

 

Zusammen unterwegs in den französischen und italienischen Westalpen

12.06.2023 – 18.06.2023 - 2570 km – 20 Pässe

Die Bilder der Tour könnt ihr oben als Youtube-Slideshow ansehen!

Unsere diesjährige Wochentour sollte auf Wunsch von Bruno in die Westalpen gehen. Nachdem er im zarten Alter von 70 das Mopedfahren aufhören wird, wollte er zum Abschluß die Route des Grandes Alpes befahren.

Dass das auch die letzte Tour unseres Wuschels war, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Unser gemeinsames Zeitfenster Mitte Juni ist noch etwas früh für die hohen Pässe in Frankreich. Wir wollten es aber auf jeden Fall versuchen, auch wenn evtl. der ein oder andere Pass noch nicht befahrbar ist. So ging es an die Planung. Die erste Unterkunft am Genfer See wurde vorgebucht. Alles weitere würde sich finden. Wir wollten ja möglichst flexibel bleiben.

Wir freuten uns auf 7 Fahrtage mit zahlreichen Pässen in den französischen und italienischen Westalpen.

 

Tag 1 (Mo 12.06.2023)

Karte Tag1Anreise von DON bis Genfer See über Deutsche und Schweizer Autobahnen - 625 km. 

Die Anfahrt über die AB macht keinen Spaß, ist aber nicht zu vermeiden, wenn man nur 7 Fahrtage hat. Ab Bulle haben wir noch ein paar Kurven eingebaut und sind über den Col des Mosses und den Pas de Morgins zu unserer vorgebuchten Unterkunft in Bernex im Hinterland des Genfer Sees gefahren.

Das vorgebuchte Hotel Les Bois Joly lag mitten in der Pampa, also sehr ruhig – genau das Richtige, um uns von den Anreisestrapazen gut zu erholen. Denn morgen geht es auf die Route des Grandes Alpes (RGA).

 

 

Tag 2 (Di 13.06.2023)

Karte Tag2Genfer See (Bernex) – Valloire (283 km).

Heute soll es überwiegend über die Route des Grandes Alpes Richtung Süden gehen. Die klassische Route über den Corment de Roselent und Col de l’Iseran konnten wir leider aufgrund einer Vollsperrung am Roselent (die Strasse hatte über den Winter Schaden genommen und war abgerutscht) nicht befahren. Auch habe ich erfahren, dass der Col du Galibier im Juni 2023 bis 04. Juli 2023 von 09:00 h bis 12:00 h Uhr nur für Fahrradfahrer freigegeben ist. Wir planten also kurzfristig um und machten uns auf den Weg nach Valloire über folgende Pässe:
Col des Gets – 1172 m
Col de la Colombière 1613 m
Col de Aravis 1487 m
Col des Saisies 1650 m
Col de la Madeleine 1993 m
Col du Telegraphe 1566 m

 

In Valloire am Fusse des Galibier wollten wir uns ein Quartier suchen, um am Folgetag zeitig vor 9:00 h über den Galibier zu kommen.

Das Wetter war durchwachsen, die Strassen waren naß aber gut befahrbar. Vormittags suchten wir abseits der Hauptroute nach kleinen Wegen durch die Wälder, um Albertville zu umfahren. Auf Reiseenduros der reine Spaß, für Bruno auf seiner R1200R war das nicht sehr spassig, da die meist einspurigen Wege nicht in bestem Zustand und von den Waldmaschinen der Holzrücker tw. Sehr verschmutzt waren. Gegen Mittag gelangten wir wieder auf „normale“ Straßen. Die Zimmersuche gestaltet sich in Zeiten von Internet und Buchungs-Apps und Portalen relativ entspannt. Täglich gegen 14.00 h immer das gleiche Ritual:

1. wo wollen wir den ungefähr landen?
2. Buchungs-App aufmachen und den gewünschten Daten füttern und suchen lassen.
3. Buchung abschließen – Bestätigung abwarten – fertig.

Wie angenehm ist das denn! Früher (in den analogen Zeiten) war das schon wesentlich aufwändiger. Das sind wir auf gut Glück einfach an die Unterkünfte gefahren und haben nach Zimmern gefragt (oft vergeblich und so standen wir manchmal abends um 17:30 h noch ohne Zimmer da). Im gesetzteren Alter ist „dieses Abenteuer Zimmersuche“ nicht unbedingt erwünscht und so sind wir heute sehr froh über die digitalen Möglichkeiten.

 

Tag 3 (Mi, 14.06.2023)

Karte Tag3

 

 

Valloire – Vernante (290 km)

 

 

 

Heute ging es über die hohen Pässe der RGA Richtung Mittelmeer. Das Wetter wurde langsam besser und so konnten wir auf meist trockenen Straßen über folgende Pässe fahren:

Highligts:

Col du Galibier 2642 m
Col du Lautaret 2058 m
Col d Izoard 2380 m
Col de Vars 2110 m
Col de la Bonette 2715 m
Col de la Lombarde 2350 m

Das ursprüngliche Ziel, am Nachmittag über den Tenda-Pass zu fahren, war nicht möglich. Sowohl der Tunnel als auch die normalerweise für einspurige Auffahrt über zahlreiche Schotterkehren zum Fort Central waren wegen Bauarbeiten gesperrt. So disponierten wir um und fuhren ab Isola über den Lombarde-Pass hinüber nach Italien. Evtl. konnten wir ja von der italienischen Seite hinauf zum Tenda und den Forts kommen. In Vernante am Fusse des Tendatunnels buchten wir uns im Hotel Nazionale (kannten Wuschel und ich schon von einer anderen Reise) ein. Schöne Zimmer und gutes Essen erwartete uns. Der Wirt informierte uns abends, dass auch die Auffahrt von der italienischen Seite wegen massiver Strasseninstandsetzungsarbeiten nicht möglich sei. Auch die LGKS vom Tenda Richtung Süden sei derzeit nicht befahrbar. Schade, die Forts am Tenda hätte ich schon gerne angeschaut und evtl. auch ein Stück auf Ligurischen Grenzkammstrasse wäre ich gerne gefahren.

Dann muss ich also in den nächsten Jahren nochmal wiederkommen, um das nachzuholen!

Den morgigen Tag mussten wir also umplanen. Eigentlich wollten wir ja erst morgen Abend auf der italienischen Seite der Westalpen sein. Wir beschlossen, nochmal rüber nach Frankreich zu fahren um die in der Nähe liegenden Schluchten zu befahren. Am Abend nochmal zurück nach Italien (Zimmer um eine Nacht verlängern war kein Problem), um dann am Folgetag wieder auf der „Spur“ zu sein.

 

Tag 4 (Do, 15.06.2023)

Karte Tag4Vernante – Vernante (330 km)

Highlights:

- Col de la Lombarde (2350 m)
- Gorges du Cians
- Col de la Couillole (1678 m)

 

Heute konnten wir ohne Gepäck eine Runde in den französischen Westalpen drehen. Zurück über den Col de Lombarde ging es durch die Gorges du Cians und den Col de la Couillole wieder zurück nach Vernante.

 

Tag 5 (Fr, 16.06.2023)

Karte Tag5Vernante – Cesana Torinese

Highlights:

Colle d'Esischie (2370 m ü.M.)
Col de Sampeyre (2284 m ü.M.)
Col Agnel (2744 m ü.M.)
Col d Izoard (2360 m ü.M.)

 

Col Cuneo (Colle dei Mori / Colle della Fauniera) 2481 m ü.M.
Auf kleinen Wegen ging es erst mal wieder zurück nach Frankreich.
Im dünnbesiedelten Piemont westlich von Cuneo befindet sich der Colle dei Morti. Von Cuneo aus erstrecken sich die drei Täler Valle Stura, Val Grana und Valle Maira nach Westen, aus denen jeweils eine Anfahrt zum Pass existiert. Wir befahren die atemberaubende Südrampe aus Demonte kommend im Valle Stura.
Als relativ neu asphaltierter Pass ist er in den meisten Karten noch nicht oder falsch eingezeichnet. Auch die Bezeichnung ist uneinheitlich. Häufige Verwendung findet der Name Colle della Fauniera.
Um die Verwirrung zu vervollständigen, trägt das 2004 aufgestellte Pantani-Denkmal die Aufschrift Col Cueno. Ebenso wie der Name variiert auch die Angabe zur Passhöhe zwischen 2480 m Höhe und 2511 m Höhe - auf der Passtafel steht 2481 m ü.M..
Mit seinen immer noch stattlichen 2481 m ü.M. verdrängt der Col Cuneo jedenfalls den schweizer Nufenen Pass knapp aus der Rangliste der zehn höchsten asphaltierten Alpenpässe.

Weiter geht es zum Colle di Sampeyre.

Mit einer Höhe von 228 m ü.M. markiert er den Übergang zwischen Varei- und Mairatal im Piemont. Spannend ist die Auffahrt über die Südrampe. Die Straße windet sich entlang der spektakulären Elva-Schlucht (Vallone d'Elva) durch das Valle Maira.
Dieses Teilstück hat es durchaus in sich:
Die Straße musste mühsam aus dem Felsen herausgesprengt werden, ist an vielen Stellen äußerst schmal, oftmals ohne nennenswerte Absicherungen versehen und führt durch gleich mehrere Felstunnel.
Von der Passhöhe windet sich die Nordrampe mit vielen Kurven und einigen zum Teil stattlichen Kehren hinab ins Tal und bietet dabei landschaftlich schöne Aussichten.

Jetzt geht es hinüber nach Frankreich.

Colle dell' Agnello

Der Col Agnel verbindet das italienische Varaitatal mit dem französischen Guiltal. Mit 2744 m ü.M. ist er nach dem Col de l'Iseran und dem Stilfser Joch der dritthöchste asphaltierte Pass der Alpen, und der höchste Übergang über den Alpenhauptkamm. Wegen seiner Höhe ist er nur wenige Monate im Sommer befahrbar. Wir hatten Glück, denn die Wintersperre wurde erst vor wenigen Tagen aufgehoben.

Weiter ging es zum Col d'Izoard, den wir auf dieser Tour bereits zum zweiten Mal befuhren - diesmal vom Süden kommend. Immer wieder beeindruckend, diese pitoreksen Fels- und Schuttformationen auf der Passhöhe.

Unser Weg führte uns nun nach Briancon und von dort aus wieder hinüber nach Italien, wo wir  in Cesano Torinese eine Unterkunft für die Nacht fanden.
Ein spektakulärer Fahrtag bei Traumwetter ging zu Ende.
 

 

 

 

Tag 6 (Sa, 17.06.2023)

Karte Tag6Cesano Torinese – Comer See / Splügenpass - überwiegend Autobahn

Highlights:

- Comer See
- Moto Guzzi Museum in Mandello del Lario
- Mai Tardi - urige Almunterkunft am Splügenpass

So langsam sollen wir uns wieder Richtung Heimat orientieren.
Eine längere Autobahnetappe brachte uns zum Comer See, wo wir eine schöne Mittagspause am Seeufer einlegten, bevor wir das Moto Guzzi Museum in Mandello del Lario besichtigten. Dann zog es uns weiter Richtung Schweiz. Kurz vor der Passhöhe des Splügenpasses übernachteten wir im Refugio Mai Tardi auf 1800 m ü.M. Nach dem heißen Tag auf der Autobahn kam uns diese Unterkunft gerade recht. Gute, frische Luft auf 1800 m, grandiose Aussicht auf die umliegenden 3000-er, eine himmlische Ruhe (nachdem die Motorsense des Bergbauern verstummte), eine urige Alm mit super Verpflegung. Übrigens: Mai Tardi bedeutet so viel wie "es ist nie zu spät".

 

 

Tag 7 (So 18.06.2023)

Karte Tag7Splügenpass – DON

überwiegend schweizer und deutsche AB

Highlights:

- Splügenpass

- Via Mala

 

 

 

Ausgeruht konnten wir uns auf die letzte Etappe über 350 km nach Hause machen.

Nach ca. 2600 Kilometern, 22 Passbefahrungen, einigen Schluchten und zahlreiche kleine und kleinste - manmal knifflige - einspurige Gravelwege sind wir wieder wohlbehalten und beladen mit unzähligen Eindrücken zuhause angekommen.

Respekt an die Mitfahrer Bruno und Wuschel! Die Fahrtage waren lang und manchmal keine reine Freude. Ich hoffe, dass die grandiosen Landschaften für die Strapazen entschädigen und sich in unseren Köpfen verankern.

Vielen Dank, dass ihr mitgemacht habt!

Bei meiner ersten Route des Grandes Alpes schrieb ich im Reisebericht folgendes Resümee:

"Die Route ist nicht unbedingt leichte Kost, aber es heißt ja auch, dass sie eine Königin wäre. Königinnen sind meist starke Persönlichkeiten und starke Frauen sind selten einfach.
Wenn ich mit meinem Hauch von französischer Sprachkenntnis nicht daneben liege, dann sagt man in Frankreich "adieu", wenn man Lebewohl meint und "salut", wenn man sich wiedersehen möchte.
In diesem Sinn: Salut, Königin!"

Nun haben wir uns also wiedergesehen und ich kann das damalige Fazit nur nochmal bestätigen: Salut, Königin!

 

 

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