21.06.2025
Tag 16 – Von den Bergen zum großen Fluss
Die Serra da Estrela hat gehalten, was versprochen war: klare Höhenluft, weite Blicke, einsame Straßen. Ein schöner Kontrast zum stickigen Dourotal gestern – endlich wieder Fahrtwind, endlich wieder Kurven mit Rhythmus.
Die Serra da Estrela ist das höchste Gebirge des portugiesischen Festlands und ein Paradies für Natur- und Wanderfreunde. Es liegt im Zentrum Portugals und erreicht am Torre, dem höchsten Punkt, knapp 2.000 Meter Höhe. Große Teile der Region stehen als Parque Natural da Serra da Estrela unter Schutz.
Charakteristisch sind die von Gletschern geformten Täler, klare Bergseen und weite Hochflächen. Besonders eindrucksvoll ist das tief eingeschnittene Gletschertal von Loriga. Im Winter fällt hier regelmäßig Schnee – die Serra da Estrela ist eines der wenigen Gebiete Portugals, in dem Wintersport möglich ist.
Neben spektakulären Ausblicken bietet die Region traditionelle Bergdörfer aus Granit, regionale Küche und den berühmten cremigen „Queijo da Serra“. Für Besucher empfiehlt sich ein Mietwagen, da viele Aussichtspunkte und Wanderwege verstreut liegen. Wer Ruhe, ursprüngliche Landschaft und authentisches Portugal sucht, findet hier eine eindrucksvolle Alternative zur Küste.
Nach dem Abstieg ein Stück Autobahn, um Strecke zu machen. Dann biege ich auf kleinere Straßen ab, dem Tejo entgegen. Die Landschaft wird weiter, trockener, der Fluss zieht träge durch das Land – Richtung Atlantik, wie ich.
In Almeirim finde ich ein schönes, klimatisiertes Hotel. Es ist heiß, wieder über 35 Grad, aber die Etappe war gut. Das Hotel bietet Ruhe, Schatten und ein kaltes Getränk. Manchmal braucht es nicht mehr.
Am Abend pobiere ich noch die hier traditionelle Steinsuppe, sie heißt auf Portugiesisch "Sopa da Pedra" – wörtlich: Steinsuppe.
Sie stammt aus Almeirim, genau dem Ort, an dem ich gerade bin! Es ist eine herzhafte Bohnensuppe mit Fleisch (typisch: Schweineohr, Chouriço, Blutwurst), Kartoffeln und manchmal auch Reis – und symbolisch wird ein gewaschener Stein mitgekocht, als Anspielung auf die alte portugiesische Legende von einem listigen Wanderer, der mit einem Stein und etwas Überzeugungskraft eine ganze Suppe erschlich.
Vorschau Tag 17 – Kurs Südwest
Das Ziel ist klar: der südwestlichste Punkt Europas, das windumtoste Cabo de São Vicente bei Sagres.
Ein Tag der Übergänge – von den trockenen Ebenen Mittelportugals an die raue, salzige Luft der Algarve-Küste.
Ich werde versuchen, auf dem Campingplatz Orbitur Sagres unterzukommen – ein schattiger Platz in Meernähe, ideal, um die Region rund ums Kap zu erkunden.
Ein symbolischer Ort, dieser Zipfel am Atlantik. Hier endet das Festland – und beginnt der offene Ozean.

























