06.06.2025
Harburg - Champfromier (621 km)
Tag 1 – Kilometerfressen
Der erste Tag fühlt sich nie wie echtes Reisen an. Zu viel Autobahn, zu viele Rastplätze, zu viele Fahrzeuge, die einfach irgendwohin müssen. Aber es gehört dazu – das Losfahren, das Kilometerfressen, das Rausgleiten aus dem Alltag.
Mein Weg führt mich über Oberschwaben an den Bodensee. Von dort aus nehme ich die Fähre nach Konstanz, um schnell in die Schweiz zu kommen. Immerhin habe ich heute über 600 Kilometer vor mir!
Die Schweiz empfängt mich mit perfekten Straßen und grauen, disziplinierten Kolonnen. Alles läuft. Alles funktioniert. Nur ich bin irgendwie noch nicht ganz da. Die Gedanken sind laut, der Blick noch unruhig.
Der Genfer See taucht auf. Ich streife am nördlichen Ufer vorbei. Der See glitzert kurz auf, dann biege ich Richtung franz. Jura ab. Die Berge rücken näher, das Licht wird weicher.
Ich folge dem Rhonetal, lasse mich treiben. Ampeln, Kreisel, kleine Orte mit vertraut fremden Namen. Irgendwann biege ich ab – hinauf nach Champfromier. Die Kurven werden enger, die Luft frischer. Ich bin plötzlich allein.
Oben wartet kein großes Ziel. Nur ein kleiner Ort am Hang, Wälder, Stille. Ich stelle die Maschine am Hotel Ducret ab. Das Zelt bleibt heute noch im Koffer: der Wetterbericht hat für heute und morgen in der Region Rhone-Alpes starke Regenfälle vorausgesagt. So buchte ich mich kurzfristig ein Zimmer in Champfromier, einem französischen Dörfchen im Jura nördlich des Rhonetals ein.
Es ist ruhig hier. Und genau richtig.
07.06.2025
Champfromier - Cazouls-les-Beziers (573 km)
Tag 2 – Kurven, Regen und ein bisschen Heimat
Wieder Regen. Nicht wild, aber präsent. Der Himmel hängt tief, als wolle er mich noch ein wenig aufhalten. Aber ich fahre trotzdem los – langsamer, wacher. Die kleinen Wege durch die Auvergne-Rhône-Alpes sind schmal und leer. Manchmal bin ich nicht sicher, ob ich noch auf einer Straße bin oder schon auf einem breiteren Wanderweg. Aber das ist egal. Es fühlt sich richtig an.
Die Landschaft atmet. Der Regen verleiht ihr Tiefe, macht Farben dunkler, Konturen weicher. Hinter jeder Kurve liegt etwas Neues – ein Bach, ein Gehöft, ein verlassener Schuppen, der aussieht wie ein Gemälde. Ich passiere den Rand des Vercors, der Wettergott hat ein Einsehen. Ich sehe die schroffen Kalkwände in der Ferne, wie ein stiller Riese, der sich nicht zeigen will.
In Grenoble tanke ich – Sprit und einen Moment Pause. Menschen, Verkehr, eine andere Welt. Ich halte nicht lang.
Dann wieder abtauchen – kleinste Sträßchen Richtung Montélimar. Es ist richtig warm geworden, der Regen ist vergessen. Und sogar die ersten blühenden Lavendelfelder, fast so, wie in der Provence. Der Tag hätte noch lange so weitergehen können – doch die Zeit wird knapp, der Süden ruft.
Ich steige auf die Autobahn, das erste Mal heute wieder schneller als 100. Die Kurven fehlen mir sofort. Aber mit jeder Stunde kommt ein anderes Gefühl: Ankommen. Ein vertrauter Ort wartet.
Am Abend rolle ich in Cazouls-les-Béziers ein. Meine Schwester Petra und mein Schwager Klaus empfangent mich mit offenen Armen. Es riecht nach Südfrankreich. Ein Teil dieser Reise hat hier ein Ziel gefunden. Für einen Moment jedenfalls. Zwei Tage Pause, bevor es nach Spanien geht.
Insta360-Shot:






















